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Anja Snellman – Landkarte des Paradieses

Ich habe mich oft gefragt, was in den Köpfen meiner Lehrer manchmal vor sich ging. Wie vermutlich jeder Schüler, habe auch ich eine große Bandbreite an unterschiedlichen Lehrertypen kennen und lieben gelernt, aber auch als unerträglich empfunden. Da gab es die Unnahbaren, die eine natürliche Autorität und wirklich Wissen vermitteln konnten, als auch diejenigen, die man mit bloßem Auge als unfähig entlarvte. Bei denen man schon nach dem „Guten Morgen“ abgeschaltet hatte. Nie im Leben jedoch hat uns ein Lehrer zu sich nach Hause eingeladen und ich glaube, im Grunde war das auch gut so. Wie sollte man einen strengen Lehrer noch ernst nehmen, wenn dieser daheim vielleicht eine riesige Sammlung rosa Plüschhäschen gehabt hätte….

Raakel jedoch ist da anderer Meinung. Sie findet es nach vielen Jahren an der Zeit, ihre aktuelle Abschlussklasse, zu sich nach Hause einzuladen. Zusammen mit den jungen Erwachsenen möchte noch mal eine Reise in die Vergangenheit unternehmen-  zurück bis in die 1. Jahrgangsstufe, seit der sie den Kurs schon unterrichtet.  Sie möchte noch einmal mit der Klasse erleben, wie sie von einem ungehorsamen, gewaltbereiten Haufen wilder Kinder zu einem Kollektiv wurden, das zusammenhält.

Während des Wartens auf die Ankunft der Klasse am Abend der Einladung,  beginnt ihre innere Reise in die Vergangenheit. Diese geht aber noch viel weiter zurück, als nur zum Beginn ihrer Schulzeit mit dem Kurs. Es bringt sie in die Zeit des Studiums in der DDR, beschreibt die Periode aktivem Sozialismus, an dem sie teilnahm und vor allem das Kennenlernen und Verlieren ihrer einzigen wahren Liebe, die jedoch nach ihrer Hochzeit spurlos verschwindet, verzweifelt darüber seinen eigenen Idealen nicht gerecht geworden zu sein.

„Landkarte des Paradieses“ ist so ein wundervoller Name, der jedoch überhaupt nicht zum Inhalt des Buches passt. Von einem Paradies konnte man nichts mitbekommen. Überhaupt konnte man grundsätzlich nur sehr wenig Tiefe mitbekommen. Gerne hätte ich mehr über Raakels Erlebnisse mit ihrer Klasse erfahren oder aber über eine ungewöhnliche Liebe, die beherrscht wird von dem Streben, nach seinen Idealen zu leben. Allerdings hat man von der Klasse zu wenig mitbekommen und die vermeintliche Liebesstory stört eigentlich nur den Ablauf. Romantik oder den auf dem Klappentext viel gepriesenen Humor hab ich stark vermisst. Keine der Handlungen schafft es einen in den Bann zu ziehen und am Ende ist man einfach froh, dass man das Buch endlich zur Seite legen kann.

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