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Anna Dillon – Tage der Wahrheit

Ehrlich gesagt, glaube ich, dass es niemanden gibt, der nicht schon mal miterlebt hat, dass ein Partner den anderen betrogen hat – sei es persönlich oder nur als Zeuge. In den meisten Fällen – in meiner persönlichen Statistik sind es ungefähr 90% – betrügen Männer ihre Partnerinnen. Sie glauben, bei der anderen Frau ginge es ihnen besser, dort würden sie besser verstanden werden, verliefe das Leben aufregender und der Sex besser. Komischerweise ziehen sie selten die ehrliche Konsequenz und verlassen die Frau für die Nebenbuhlerin. Wissen die Männer vielleicht genau, dass sobald das aufregende geheimnisvolle mit der Geliebten mal in einer „normalen“ Beziehung endet, dort das Gleiche passiert? Mal ehrlich, glauben solche Männer, dass es uns Frauen mit Euch Männern nicht ähnlich ginge? Der Alltag beeinflusst das Verhalten beider Partner oder haben diese Männer ihren Partnerinnen zum Ende wirklich ernsthaft den gleichen Respekt, die gleiche Aufmerksamkeit und liebevolle Anteilnahme an deren Leben genommen bzw. gegeben, wie zu Anfang der Beziehung? Wohl kaum…

Vorliegendes Buch hat genau diesen Inhalt. Robert Walker betrügt seine Ehefrau seit mehreren Monate und glaubt, in Stephanie endlich die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Doch seine Frau will er eigentlich nicht verlassen. Immerhin würde er ja dann sein Haus verlieren, seine Kinder und vielleicht sogar ihre gemeinsame Firma. Wenn es ganz übel liefe, würde er dadurch sogar seine Sekretärin verlieren, die jedoch die allerbesten Kontakte in seiner Branche hat, was zu einem starken Auftragseinbruch führen könnte.

Doch Stephanie drängt langsam auf eine Entscheidung. Immerhin versichert ihr Robert seit Monaten, dass seine Frau ebenfalls keine Gefühle mehr für ihn hätte und sie nur noch auf dem Papier verheiratet seien. Dann sollte eine Trennung doch wirklich für Beide das Beste sein und sie könnten sich endlich ein neues Leben aufbauen…

Doch dann steht Roberts Frau plötzlich vor Stephanies Tür – kurz darauf gefolgt von einem zutiefst erschrockenen Robert, der merkt, dass er aufgeflogen ist.

„Tage der Wahrheit“ hat einen ganz simplen – aber realistischen – Inhalt. Der Aufbau des Buches ist jedoch super, denn er erzählt die gleiche Geschichte zuerst aus der Perspektive von Stephanie, dann von Robert und am Schluss aus Sicht der betrogenen Ehefrau. Der Autor urteilt nicht. Es gibt auch keine große Gefühlsduselei. Es wird einfach beschrieben. Jede Perspektive und deren mögliche Gedanken und Gründe werden ganz simpel erzählt. Genau das macht das Buch sehr lesenswert.

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3 Comments

  1. Sandra
    Sandra 16. Februar 2013

    Hallo Pamina, vielen Dank für die tolle Rezession. Ich denke das Buch ist wirklich lesenswert zumal es ja (zum Glück) keinerlei Gefühlsduselei gibt.
    Wie sind eigentlich die einzelnen Personen beschrieben – überzogen oder ist/klingt es realistisch?

  2. Pamina
    Pamina 16. Februar 2013

    Hallo Sandra,

    Die Charaktere sind absolut realistisch und dabei sehr sachlich, klar beschrieben. Ohne viel Kitsch, ohne viel Schnörkel. Es ist als wäre ein Unbeteiligter Beobachter immer daneben und erzählt was er aus jeder Perspektive mitbekommen hat.

    Viele Grüsse
    Pamina

  3. Ferien Nemours
    Ferien Nemours 27. Februar 2013

    Ein Thema, was letztendlich wohl zeitlos ist. Sehr interessante Perspektiven, jedoch auch ein wenig traurig, dass es wieder de Mann ist, der am Ende nicht verstanden wird, obwohl sich die Frauen immer wieder gerne unverstanden als Opfer positionieren. Der Man ist nicht schlecht, wenn er fremdgeht. Genauso, wie die Frau nicht schlecht ist, wenn Sie das Angebot annimmt, im Wissen, dass da eine andere Frau ist. Es kommt darauf an, Empathie zu zeigen, einzuschätzen, was der Andere verträgt, was Ihn glücklich macht, Ihn wirklich zu verstehen. Und das haben alle Handelnden im Blick auf sich selbst vergessen. Dieses Buch ist ein klassisches Abbild unserer Zeit, in der wir die Zeit vergessen haben, um den Anderen wirklich kennen zu lernen, ohne ihn dabei als Befriedigungsmaschine – nicht nur auf sexueller Ebene – zu betrachten. Oder sehe ich das zu streng?

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