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Charlotte Link – Die letzte Spur

Als ich 10 Jahre alt war, hatte ich Streit mit meiner Mutter. Ich fühlte mich ungerecht behandelt, absolut sicher, überall besser verstanden zu werden als zu Hause. Ich packte also meinen Rucksack und teilte ihr meinen Entschluss mit, nun in der großen weiten Welt glücklich zu werden. Ich kam bis zur nächsten Straßenkreuzung. Ab da wusste ich nicht mehr weiter. Ich blieb dort – bis zum Abend als die Sonne unterging – in der festen Überzeugung, dass sie in ein paar Minuten – schluchzend nach mir suchend – ebenfalls um die Ecke kommen würde. Ich wusste nicht, dass sie mich gemütlich – bei einem Kaffee auf dem Balkon sitzend -sehr gut im Auge hatte und meine „Reise in die Ferne“ amüsiert beobachtete.

Fakt ist, dass jeder Mensch schon mal die Sehnsucht danach hatte aus seinem bestehenden Leben auszubrechen. Es kommt nur – wie so oft im Leben – darauf an, wie man mit diesen plötzlichen Fluchgedanken umgeht.

Elaine Dawson macht sich auf den Weg zu ihrer Freundin aus Kindertagen, die in Gibraltar heiraten möchte. Die Reise ist für sie eine große Angelegenheit, verlässt sie doch zum ersten Mal ihr zu Hause und muss ihren missmutigen, behinderten Bruder alleine zurücklassen, der noch bis zum Schluss sämtliche Register der emotionalen Erpressung zieht, um sie von dieser Reise abzuhalten.

Doch Elaine wagt es! Sie macht sich auf den Weg, lässt ihren Bruder tatsächlich alleine und fährt zum Flughafen nach London. Dort muss sie leider feststellen, dass alle Flüge wegen Nebel gestrichen wurden. Sie ist völlig verzweifelt, sieht sich mal wieder auf der Verliererseite und glaubt, das Schicksal gönne ihr nicht mal diese eine Reise -alleine und weg von zu Hause. In ihrer Verzweiflung läuft sie einem Mann in die Arme, der vergeblich versucht sie aufzubauen. Da es in London aufgrund der Situation nun weder Flüge noch freie Hotelzimmer für die gestrandeten Fluggäste gibt und sie ihm Leid tut, bietet er ihr ein Gästebett bei sich daheim an. Am nächsten Morgen setzt er sie in die U-Bahn zum Flughafen und verabschiedet sich von ihr.

Das ist das letzte Mal, dass Elaine gesehen wird.

5 Jahre später bekommt Elaines Freundin Rosanna, zu der sie damals auf die Hochzeit fliegen wollte – eine ehemalige Journalistin – den Auftrag, eine Story über vermisste Personen zu schreiben, startend mit Elaine. Rosannas Ehe steckt in einer Krise, sie fühlt sich unwohl in Gibraltar, hat Heimweh nach London und möchte sich wieder als Journalistin betätigen. Sie nimmt den Auftrag an.

Rosanna merkt gleich beim Start der Recherchen, dass sie zu den anderen vermissten Personen nicht kommen wird. Elaines Fall hält sie total gefangen, merkt sie, dass sie sich eine Mitschuld an ihrem Verschwinden gibt, da es schließlich IHRE Hochzeit war, die die Freundin aus ihrem sicheren zu Hause geholt hat.

Zusammen mit dem hilfsbereiten Mann, der Elaine damals ein Bett geboten und der letzte Mensch war, der sie lebend gesehen hat, macht sie sich – nun mehr Detektivin als Journalistin – auf die Suche nach der Lösung des Rätsels. Doch kann sie so viele Jahre später wirklich noch Spuren aufdecken, die die Polizei damals übersehen hat?

„Die letzte Spur“ ist ein Link nach meinem Geschmack! Spannend schafft es die Autorin, viele parallel laufende Schicksale gekonnt miteinander zu verflechten ohne dabei verwirrend zu werden. Sie bleibt spannend von der ersten bis zu letzten Seite. Man kann es gar nicht erwarten, zu erfahren, wie die verschiedenen Charaktere miteinander in Verbindung stehen werden bzw. welche Rolle sie in dieser ganzen sehr ominösen Geschichte spielen werden.

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