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David Safier – Happy Familiy

Was macht eine gute Beziehung aus? Ist es ständige allgemeine Geschäftigkeit? Oder gehört zu einer guten Beziehung auch dazu, dass man irgendwann in das Stadium kommt, indem verlässliche Routine den Alltag beherrschen? Doch wie bekommt man die Balance zwischen Routine und Langeweile hin? Selbst berühmte Promi-Paare wie etwa Heidi Klum und Seal schaffen es trotz viel Geld, einen extravagantem Lifestyle und zwei Nannys pro Kind nicht, ein Leben lang zusammenzubleiben – und dass, obwohl sie jahrelang ihr „Ja-Wort“ immer wieder erneuert haben und sich zu regelmäßigen Schäferstündchen in der Dachkammer getroffen haben. Aber was ist dann sonst das Geheimnis einer lebenslangen, glücklichen Beziehung? Oder ist es einfach die Hinnahme, Routine und Alltag zuzulassen?

Emma ist frustriert. Die rosarote Brille des Familienlebens ist weg: ihre Kinder stecken in der tiefsten Pubertät, ihr Mann arbeitet viel, noch dazu in einem Job, der gegen seine Prinzipien geht und will am Abend einfach nur seine Ruhe und Emmas eigene, kleine Kinderbuchhandlung steht kurz vor dem AUS. Als dann auch noch ihre größte Rivalin aus Studientagen in ihrem Laden auftaucht und davon schwärmt, letztens bei einem beruflichen Event Hugh Grant auf den Malediven getroffen zu haben wird ihr alles zuviel.

Sie bittet ihre Familie, auf eine Party mit zu kommen, auf der auch die berühmte „Twilight“-Schriftstellerin – Stephanie Meyer – anwesend sein soll. Mit einer Lesung der Autorin in ihrem Laden, zu der Emma sie auf der Veranstaltung überreden möchte, soll die Insolvenz der Bücherei verhindert werden. Das Ganze wird ein absolutes Fiasko, da durch ein Missverständnis mit der Rivalin die gesamte Familie kostümiert auftaucht – im Gegensatz zu allen anderen Gästen die ganz normal in Abendgarderobe gekleidet sind. Emmas Mann starrt Stephanie Meyer unablässig auf den Hintern und die Kinder warten nicht lange, um der Autorin mitzuteilen, dass sie die Bücher total blöd finden.

Emma flüchtet mit der gesamten Sippe. Auf der Heimfahrt platzt ihr endgültig der Kragen und sie macht ihrem Frust Luft, indem sie jedem einzelnen ihrer Familienmitglieder gehörig den Marsch bläst. Die an sich verständliche Reaktion Emmas, lenkt jedoch die Aufmerksamkeit der Hexe Baba Yaga auf die Gruppe, die die gesamte Familie schnurstracks verwünscht, die, statt zufrieden mit ihrem erfüllten Leben zu sein, sich die Ganze Zeit im Selbstmitleid suhlt. Jedes einzelne Familienmitglied wird in seine Verkleidung verwandelt,  wodurch Papa Frank zu Frankenstein, Tochter Fee zu einer Mumie, Sohn Max zu einem Wehrwolf und Emma selber zu einer Vampirin wird, an der Graf Dracula persönlich höchstes Interesse hat.

Während Emma nun alles daran setzt alles wieder in Ordnung zu bringen, müssen sich die Wege der Familie trennen, Geheimnisse und tiefe Abgründe kommen an die Oberfläche. Die Frage ist nun nur, ob die Familie es schaffen kann, den Fluch wieder abzuschütteln, wieder zu normalen Menschen zu werden und wieder zu sich selbst zu finden.

Nahezu in jeder Familie stellt sich über kurz oder lang Routine ein. Auch wenn beständige Routine etwas sehr Beruhigendes haben kann, verstehe ich auch, dass genau das manchmal ein wenig frustrieren kann. In „Happy Family“ schafft es David Safir unglaublich witzig genau dieses Bild zu malen und zu zeigen, dass Routine nicht heißt, dass man den anderen nicht mehr liebt oder dass der Alltag das Gegenteil von Glück bedeutet.

Es macht Spaß, den Sprechern des Hörspieles zuzuhören. Nur Werwolf-Sohn Max geht einem an manchen Stellen etwas auf die Nerven, aber generell bekommt man einfach nur gute Laune beim Lauschen. Es ist ein schönes Gefühl, sich am Ende auch selbst mal wieder zu sagen, dass vielleicht nicht mehr alles so ist wie in den ersten Tagen der Beziehung, dass man sich mit seinem Leben aber trotzdem glücklich schätzen kann.

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