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Eva Stachniak – Der Winterpalast

Im Februar 1744 kam Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst-Dornburg auf Wunsch der russischen Kaiserin Elisabeth Petrowna in Moskau an. Sie war als Ehefrau für den Großneffen der kinderlosen Zarin – und geplanten Thronfolger Russlands, Großfürst Peter Fjodorowitsch – auserkoren worden. Nach Sophies Konvertierung vom evangelisch-lutherischen zum orthodoxen Glauben bekommt sie ihren neuen Namen Jekaterinas Alexejewna – oder auch Katharina II – nach der Mutter der Zarin. Die Hochzeit von Katharina und Peter fand am 1. September 1745 statt. Doch die Ehe ist vom ersten Tag an unglücklich. Peter hat keinerlei Interesse an seiner Frau. Katharina schenkt zwei Kindern das Leben: nach 9-jähriger Ehe dem kleinen Pawel und der kleinen Anna, die jedoch nur etwas älter als ein Jahr werden soll. Bei beiden Kindern ist Peters Vaterschaft umstritten, doch beide werden als legitim anerkannt und der Mutter direkt nach der Geburt entzogen, damit sie von der Zarin Elisabeth groß gezogen werden. Nach Elisabeths Tod im Januar 1762 übernimmt Peter als Zar Peter III die Regentschaft Russlands. Allerdings sehr zur Unzufriedenheit großer Teile des russischen Volkes. In einem riskanten Putsch im Juli 1762 setzt Katharina Peter ab und ruft sich selbst zur Herrscherin aus. Katharina herrscht 34 Jahre und stirbt im November 1796 in Sankt Petersburg im Alter von 67 Jahren.

Warwara ist noch ein Kind, als ihre Eltern mit ihr von Polen nach Russland kommen – in der Hoffnung auf ein besseres Leben. In den ersten Jahren sieht auch alles glänzend aus, und der Buchbinderbetrieb ihres Vaters blüht. Doch dann wendet sich das Blatt, und bald steht Warwara als Waise da – ohne Geld, ohne Familie, ohne Freunde, denn plötzlich ist sie in ihrem Umfeld nur die zugereiste Polin. Sie erinnert sich aber daran, dass die Zarin Elisabeth ihrem Vater einst versprochen hat ihm zu helfen, sollte er je Hilfe brauchen.

Also macht sie sich auf den Weg zum Domizil der Zarin und wird sogar angestellt – jedoch nur als Näherin. Einer Tätigkeit bei der sie nicht sehr begabt ist. Gut, dass der russische Kanzler nach einem zufälligen Treffen mehr in ihr sieht und sie zu einer Spionin ausbildet.

Schon bald ist sie sehr geübt darin und wird bald persönliche Spionin der Kaiserin. Nichts entgeht ihr und in der Hoffnung auf die stetige Gunst der launischen Herrscherin erstattet sie freudig und gerne Bericht.

Die emotionale Loyalität gegenüber der Kaiserin nimmt erst mit dem Eintreffen von Sophie von Anhalt-Zerbst – der späteren Katharina der Großen ab. Die zwei Frauen schließen Freundschaft – zwei Mädchen aus der Fremde, vereint am russischen Hof, wo ihnen immer wieder vorgeführt wird, dass sie nicht dazu gehören und lediglich Spielfiguren im politischen Leben sind, die zu gehorchen haben.

Kann ihre Freundschaft aus zwei ganz unterschiedlichen Klassen dem Leben am Hof voller Neid, Intrigen und politischen Machtspielen standhalten?

„Der Winterpalast“ ist ein wirklich umwerfend schöner Roman, der mal wieder genau das verbindet, was ich liebe: epochale Einblicke in einen wunderschönen Roman eingebunden. Suchtfaktor! Ich werde mir gleich den Nachfolger bestellen.

2 Comments

  1. Christine
    Christine 21. März 2014

    Für mich gab es mal ein oder zwei Momente der Langeweile. Doch dann wurde mir klar, dass es genau diese Langeweile bei Hofe wiederspiegelt, wenn sich alles immer nur um die Alleinherrscherin dreht und diese mit ihren Launen die Welt bei Hofe dominiert. Alle anderen sind eigentlich kaum handlungsfähig und müssen warten.

    Alles in allem fand ich das Buch spannend bis erschütternd, super-interessant und absolut empfehlenswert! Es hat mich der russischen Geschichte und dem Blick von dort aus ein Stück näher gebracht. Danke für den tollen Artikel!

  2. Lisa Reinhart
    Lisa Reinhart 25. März 2014

    Ich glaube, mit dem Buch habe ich das gefunden, was ich gesucht habe.
    Werde es mir gleich kaufen und direkt anfangen zu lesen.
    Vielen Dank für den tollen Tipp!

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