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Iny Lorentz – Die Goldhändlerin

Wir leben in einer emanzipierten Welt. Frauen dürfen wählen, dürfen studieren und in unserer Kultur auch Autofahren. Doch sind wir deswegen besser als im Mittelalter? Sind Männer und Frauen deshalb wirklich gleichberechtigt? Betrachtet man die Chefetagen großer Konzerne oder die Gehaltsstrukturen von Männern und Frauen, zeigt sich, dass es auch heutzutage oft von Vorteil wäre, sich als Mann zu verkleiden?

Deutschland im 15. Jahrhundert. Die Juden stehen unter dem Schutz des Kaisers, doch ist es ihnen als Nichtchristen nicht erlaubt Mitglied einer Zunft zu werden. So verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit dem Handel, insbesondere dem Goldhandel. Juden haben zu dieser Zeit auch keine freie Niederlassungswahl, sie müssen in für sie vorgesehenen Gegenden wohnen – den Ghettos.

Die Jüdin Lea verliert bei einem Anschlag der Christen auf ein jüdisches Ghetto ihren Vater und ihren großen Bruder Samuel. Lea, ihre kleine Schwester und ihr jüngerer Bruder überleben, wenn auch im Falle ihres Bruders schwer verletzt. Sie fliehen und Lea sieht sich gezwungen, in die Rolle des Familienoberhauptes zu schlüpfen, um sich und ihre Geschwister in Sicherheit zu bringen. Um das überleben der Familie zu sichern, verkleidet sie sich als Mann. Da sie in dieser Aufmachung mit ihrem Bruder Samuel verwechselt wird, dem sie so tatsächlich zum Verwechseln ähnlich sieht, behält sie diese Rolle bei. So kann sie den Goldhandel ihres Vaters weiter führen, bis ihr kleiner Bruder wieder gesund und alt genug ist, diesen selbst zu übernehmen.

Lea gerät in ihrer Doppelrolle öfters in Schwierigkeiten, ganz besonders als „Samuel“ von seinem Onkel mit dessen Tochter verheiratet werden soll. Doch sie schafft es immer wieder, sich aus diesen brenzligen Situationen zu befreien. Auch  geschäftlich beweist sie ein gutes Händchen. Ihr jüngerer Bruder jedoch denkt nicht im Traum daran, die Verantwortung als Familienoberhaupt zu übernehmen und sie dadurch aus ihrer zu entlassen.

Sehr zu ihrem Leidwesen kreuzt auch immer wieder der christliche Handelsagent Roland Fischkopf ihren Weg. Ständig mischt er sich in ihre Angelegenheiten, will er doch „Samuel“ helfen und bringt dabei Lea in die Bredouille – oder einfach nur auf die Palme. Am liebsten würde sie ihn nie mehr sehen, da sie Schlimmes befürchtet. Oder ist das nur die Zwickmühle, in der sie sich sieht, als sie merkt, dass Roland Fischkopf nicht nur ihre berufliche Welt ins Wanken bringt?

„Die Goldhändlerin“ war mein erstes Buch des unter dem Pseudonym „Iny Lorentz“ schreibenden Paares, das sich nicht um die Abenteuer der „Wanderhure“ dreht. Ich war gespannt, ob sie den Standard halten konnten und ich muss sagen, dass das Schriftsteller-Duo wieder mal einen Roman der Spitzenklasse abgeliefert hat. Meine hohen Erwartungen konnten sie unbestritten halten. Man möchte das Buch gar nicht mehr weglegen, so sehr ist man in den Bann der Geschichte gezogen. Sämtliche Unterbrechungen meines Leseflusses haben mich schier zur Verzweiflung gebracht. Schlaf? Wer bitte braucht Schlaf??? Ich will wissen, wie es ausgeht!

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