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Jennifer Donnelly – Die Teerose

Die Zeit der Industrialisierung ist, wie ich finde, eine der spannendsten in der weltweiten Geschichte. Gerne wird hier auch von der so genannten industriellen Revolution gesprochen, wobei das Wort „Revolution“ eigentlich gerne einen kurzen, heftigen und plötzlichen Wandel implementiert, was einer Dauer von 200 Jahren eigentlich widerspricht. Betrachtet man jedoch die Anzahl der Erfindungen, Entwicklungen und Fortschritte – sowohl in technischer, politischer, als auch gesellschaftlicher Hinsicht – macht es deutlich, warum man auch diese 200 Jahre – im Gegensatz zu den vorhergegangenen 1700 Jahren als Revolution bezeichnen darf.

Waren die Menschen vorher auf dem Land lebende Bauern oder Handwerker, dominiert von den wenigen besitzenden Menschen, die sie beherrschten und an die sie ihre Erwirtschaftungen abgeben mussten, zog es mit dem Aufkommen von Fabriken und der zunehmenden Arbeitsteilung- und Spezialisierung immer mehr in die Stadt. Es kam zu einer Verstädterung, welche im ersten Schritt eine große Wohnungsnot hervorrief. Oft lebten im Schichtverfahren ein ganzes Dutzend Menschen in einem Zimmer mit gerade mal 2 Betten. Zu groß war jedoch der Wunsch, aus seinem alten Leben auszubrechen und sich emporzuarbeiten, nicht mehr angekettet zu sein, in das Leben, in das man hineingeboren wurde, wie das nun eben früher der Fall war. Die Not und die Ausbeutung, die dies wiederum hervorrief mündete bald in weitere folgenschwere Entwicklungen, die heute unser modernes Arbeitsleben prägen. Arbeiterbewegungen kamen auf, die in Gewerkschaften münden sollten, die Macht hatten, nicht mehr nur die besitzenden Unternehmer zu sein, nein, sie mussten bald auch Zugeständnisse an ihre Arbeiter machen, wenn sie weiterhin an der neu entstehenden Wirtschaft teilnehmen wollten. Von einer bloßen Nehmer-Gesellschaft, die von unten einfach nur beliefert wurde, entwickelte sich eine Sozialstruktur des ökonomischen Gebens und Nehmens, das jedem die Möglichkeit gab, für seine Träume zu leben und nicht nur für sein Überleben.

Die Phase der Industrialisierung ist das neu angelegte historische Beet, aus dem wir heute die Früchte ernten – die Guten, wie auch manchmal die schon etwas gärenden. Abgeschlossen ist diese Entwicklung noch lange nicht, aber sie wird nie wieder so rasant vonstatten gehen wie damals in der Hochzeit der Revolution.

London im Jahr 1888: Fiona ist ein glücklicher Teenager in einer schweren Zeit. Wie jedes andere Mädchen auch muss sie arbeiten, um zum Familienunterhalt etwas beizutragen. Doch sie arbeitet gerne in der Teefabrik, weiß sie doch, dass sie so auch etwas dazu beiträgt, ihrem Traum – mit ihrem Jugendfreund einen eigenen Laden zu betreiben – ein Stück näher zu kommen.

Doch es kommt alles anders: ihr Freund scheint plötzlich immer weniger Interesse an dem gemeinsamen Lebensziel einen eigenen Laden aufzubauen, zu haben, da er mittlerweile eine steile Karriere als Einkäufer eines großen Lebensmittelhändlers macht. Was aber noch viel schlimmer ist, sind die Schicksalsschläge, die ihre Familie ereilen und die sie zwingen, London zu verlassen und mit ihrem Bruder nach Amerika auszuwandern.

Dort angekommen, baut sie sich mit ihren Ideen, einer unerwarteten Finanzspritze und einigen neu gewonnen guten Freunden ein neues Leben auf und arbeitet fleißig weiter an ihrem Traum. Doch obwohl sie bald Erfolge vorweisen kann, hat sie in London noch etwas zu erledigen.

„Die Teerose“ ist ein wirklich „duftes“, Buch voller unterschiedlicher Genüsse. Nicht zu kitschige Romantik – gepaart mit angenehmer Spannung – sorgen für ein wundervolles Eintauchen in ein herrliches Gefühlsaroma.

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