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Joachim Fuchsberger – Altwerden ist nichts für Feiglinge (Gastautor: Johann Schupp)

Mit Sven Kuntzes Buch „Altern wie ein Gentleman“ (Rezension folgt später) war ich gewissermaßen im Thema und suchte – zwischenzeitlich selbst zum Rentner geworden – nach weiterer Lektüre – immerhin fühlte ich mich ja nun persönlich betroffen.

Doch stellte sich zunächst heraus, dass mir diese Anekdoten und Geschichtchen aus dem abwechslungsreichen Promi-Leben des noch heute allseits beliebten Showmasters aus Zeiten, in denen gewissermaßen die Fernsehbilder laufen lernten  so völlig bekannt vorkamen. Man muss wissen, dass ich mehr als 40 Jahre im Kulturbereich tätig war und als „künstlerisch-administrativer Betreuer“, wie ein Vertrag mit den Salzburger Festspielen meine Funktion bezeichnete, insbesondere und vor allem mit dem darstellenden Personal – oder anders ausgedrückt mit den Protagonisten – zu tun hatte.

Aus dieser Zeit stammt ein „running Gag“, den ich – weil beim Lesen des Buches so oft daran erinnert – immer wieder mal gern erzählte: eine Schauspiel-Elevin im Theater ist mit einem alternden Star des Hauses im Gespräch. D.h., eigentlich redet nur er und erzählt von all seinen Projekten, Erfolgen und der Verehrung, welche ihm immer wieder zuteil wird und wurde. Nach längerer Zeit endet er mit dem Satz: „ Nun, kleines Fräulein, haben wir aber genug von mir geredet. Reden wir doch mal von Ihnen: wie hat Ihnen denn meine gestrige Vorstellung gefallen?“

Das geht in Blacky Fuchsbergers Buch in 12 von insgesamt 15 Kapiteln so ! Erst in den letzten 3 Kapiteln wird er dann doch allgemeingültig und altersweise, macht den Leser nachdenklich, wenn nicht sogar etwas melancholisch.

Selbst seiner Einschätzung über den Eurovision Song Contest im Jahr 2010, die Europa zu „Lenasthetikern“ zu machen schien, konnte ich – zunächst widerwillig – schlussendlich doch folgen, als er die Veranstaltung insgesamt zwar als überflüssig und etwas dümmlich bezeichnet, das Phänomen dieser überwältigenden Euphorie über ein zwar jungendlich charmantes, in die Welt eher hopsendes als tanzendes, aber kaum mit Stimme ausgestattetes Menschenskind, deren Liedtext er auch nicht verstand, damit erklärt, die Welt hätte es einfach satt, ständig von Verbrechen (Oslo), Kriegen (Afghanistan), sich selbst bedienenden Gierbankern oder unfähigen Politikern zu hören. Ja, das muss es wohl gewesen sein!

Für mich als Senior kommt hinzu, dass man fast etwas nostalgisch wieder an eine Zeit erinnert wird, als das Fernsehen noch nur 2 Programme hatte, etwa ein Krimi (Wallace oder Durbridge) um 23 Uhr mit der Nationalhymne (in Bayern noch eine weitere) endete und dann tatsächlich „Schluss mit lustig“ war. In jener Zeit, liebes jüngeres Publikum, war es eine Selbstverständlichkeit, etwa nach dem Einkaufen und Auto waschen erledigt war, am Samstagnachmittag den „Blauen Bock“ zu schauen und am Abend Teil zu haben an Familienunterhaltung mit den damaligen Größen wie Joachim Kulenkampff, Peter Frankenfeld oder eben Joachim Fuchsberger .

Wer also gern nochmals die eigene Jugendzeit zurückholen und miterleben möchte, dass sich das Altern auch für Prominente nicht leichter als für einen selbst in gleicher Lebenssituation anfühlt, dem kann ich “Altwerden ist nichts für Feiglinge“ durchaus empfehlen.

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