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John Katzenbach – Der Fotograf


Im Job hat meist jeder sein eigenes System. Zwei, die in einer Abteilung die gleiche Position besetzen, können komplett unterschiedlich arbeiten. Ich kann ein Lied davon singen, weil ich genau aus diesem Grund mal einen mehr als unangenehmen Streit mit einer Kollegin hatte, in deren Ablagesystem weder die Kollegen sich zurecht fanden, noch ich wirklich durchblicken konnte! Auch Serienkiller haben jeweils ihre eigene Handschrift, den so genannten Modus Operandi – wie so oft mal wieder aus dem Lateinischen kommend und „Art des Handelns“ bzw. „Art der Durchführung“ bedeutend. In der Kriminalistik basiert er auf der theoretischen Annahme, dass jeder Straftäter immer die gleiche Methodik zur Umsetzung seiner Verbrechen sowie deren – möglichst erfolgreicher Vertuschung – anwendet. Doch was, wenn der Modus Operandi kein wirklich erkennbarer Modus ist?

Detective Mercedes Barren wird an einen Tatort gerufen. Ihre Nichte ist brutal ermordet aufgefunden worden. Sehr schnell wird der vermeintliche Täter verhaftet. Ihm können mehrere, ähnlich begangene Verbrechen zweifelsfrei nachgewiesen werden, doch nicht der Mord an Barrens Nichte. Für die Kollegen gilt er trotzdem als der Schuldige und Barren soll sich damit zufrieden geben, DASS er verhaftet und unschädlich gemacht werden konnte, auch, wenn das heißt, dass ihre Nichte nicht zweifelsohne gerächt wird.

Barren will sich damit jedoch NICHT zufrieden geben und versucht Beweise zu finden, die den Verdächtigen unmissverständlich auch mit diesem Mord in Verbindung bringen. Bei ihren Ermittlungen zeigt sich jedoch, dass der Verhaftete nicht der Mörder ihrer Nichte gewesen sein kann. Leider kann sie keinen ihrer Kollegen und Vorgesetzten davon überzeugen. Schnell kommt sie dem Täter auf die Schliche, nur um dann alle Erfahrungen zu vergessen und sämtliche Fehler bei der Überführung eines Kriminellen zu begehen, die man überhaupt begehen kann.

Gleichzeitig findet der wahre Killer, dessen einzigartiger Modus Operandi ihn bis dato bereits unbemerkt einige Menschen hat töten lassen, es sei an der Zeit, seine Biografie zu schreiben. Zu diesem Zweck entführt er eine Literaturstudentin, macht sie sich gewaltsam gefügig, nimmt sie mit auf seine Verbrechenszüge und lässt sie an seiner „Arbeit“ teilhaben, damit sie ein Gefühl für sein „Werk“ entwickeln kann. Mit diesem Wissen soll sie nun sein Leben – dessen Vergangenheit er ihr nebenbei immer wieder diktiert – niederschreiben.

Anfänglich dachte ich: „Oh je, hier scheint Simon Jäger wohl keine Glanzleistung abzuliefern.“ Die Ermittler und Forensiker am Tatort von Barrens Nichte betont er mit einer für mich nervenden Saloppheit, die in der zu schildernden Situation komplett unangemessen wirkt. Doch dann läuft er zu gewohnter Größe auf und spricht das weitere Buch sehr spannend und wirkungsvoll, zumindest sofern man es der Handlung nach so beschreiben kann.

„Der Fotograf“ hat mich leider überhaupt nicht überzeugt. Anfänglich startet es stark, man ist gespannt, ob und wie Barren es schafft, ihre Kollegen zu überzeugen, den falschen Täter gefasst zu haben und wie sie es schaffen wird, den richtigen zu überführen. Man zittert mit der entführten Studentin und es ist spannend, mal von Anfang an den Täter zu kennen und zu überlegen, wie es weitergeht. Allerdings nimmt die Langatmigkeit und die plötzlich auftretende Unfähigkeit einer erfahrenen Polizistin sämtliche Thrillerspannung und man schwankt stark zwischen Langeweile und Genervtheit. Mir hat es schon früher beim Schauen von Horrorfilmen stark die Lust am Film genommen, wenn das nächste Opfer sich hilflos schreiend und um Gnade winselnd dem Täter vor die Füße geworfen hat, statt die 5 cm dicke Eisenstange zu packen und dem Angreifer saftig eins überzubraten.

1 Kommentar

  1. Eduard
    Eduard 20. April 2013

    Auch ich fand das Hörbuch sehr enttäuschend. Es ist nur Anfangs ein bisschen Spannung aufgekommen, die sich aber sehr schnell wieder gelegt hat. Leider muss ich sagen: Finger weg.

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