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Joy Fielding – Schlaf nicht, wenn es dunkel wird


Eine – zugegeben etwas umstrittene – Erzählung besagt, dass Friedrich II im Mittelalter einige Neugeborene ihren Müttern entreißen ließ, um sie in die Obhut von Pflegerinnen und Ammen zu geben. Um die Ursprache des Menschen herauszubekommen, sollten die Babys hygienisch einwandfrei versorgt und bestens genährt werden, allerdings keinerlei Ansprache oder Zuneigung erfahren: kein Kitzeln, kein Grimassen schreiben, keine Duzi-Duzi und kein Kuscheln. Sein furchtbares Experiment lieferte keine brauchbaren Ergebnisse in Hinsicht auf die Sprache, denn alle Babys verstarben weit vor dem Erlernen des Spracherwerbs. Friedrichs Chronist zitiert: „sie vermochten nicht zu leben ohne das Händepatschen und das fröhliche Gesichterschneiden und die Koseworte ihrer Amme.“ Auch wenn die Wahrhaftigkeit dieses Experimentes umstritten ist, kann man sich gut vorstellen, dass das Ende eines solchen Experimentes durchaus so enden könnte. Ein Kind – der Mensch an sich – braucht Liebe, Zuneigung und Zuwendung, verbal und physisch.

Terry Painter ist 40 Jahre, unverheiratet, keine Kinder und seit dem Tod ihrer Mutter einsam. Sie möchte das Gartenhäuschen vermieten, in dem sie bis zum Ableben ihrer Mutter selbst gelebt hat. Ihre erste Mieterin ist mit einigen Mietschulden spurlos verschwunden, trotzdem will sie es noch mal versuchen.

Als Alison dann vor ihrer Tür steht, scheint es, als ob sie nicht nur eine neue Mieterin, gefunden hat. Es entwickelt sich schnell eine Freundschaft zu der quirligen und lebendigen jungen Frau. Plötzlich kommt Leben in ihren Alltag, der bis dato lediglich aus dem Job als Krankenschwester bestanden hat. Ständig kommt Alison mit neuen Ideen, die Zeit gemeinsam zu verbringen. Auch ermutigt sie Terry, mit dem geschiedenen Sohn ihrer Patientin auszugehen und hilft ihr, sich zurecht zu machen. Terrys Leben scheint sich von Grund auf zu ändern: noch mehr, als Alison nach und nach immer mehr neue Freunde einführt, die das rege Treiben der Mieterin so weit verstärken, dass es ihr vor Terry schon peinlich zu sein scheint.

Doch mehr und mehr tauchen Ungereimtheiten auf und Terry kommt ins Grübeln. Ist Alison wirklich die, die sie vorgibt zu sein? Kann sie ihr und ihren Freunden  wirklich vertrauen? Und gibt es mit dem Sohn der Patientin wirklich eine reelle Chance auf ein gemeinsames Leben?

„Schlaf nicht, wenn es dunkel wird“ ist wirklich packend und endet so überraschend, wie man es wirklich nicht vermutet. Selten hat mich das Ende eines Buches so überrascht wie dieses. Absolut empfehlenswert!

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