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Karin Slaughter – Gottlos

Wir sind gut erholt aus dem Urlaub und – schlechtem Wetter sei Dank – kam ich sogar super zum Lesen. Allerdings hätte ich mir „Gottlos“ vielleicht an einem anderen Ort zu Gemüte führen sollen. Um dies zu verstehen, muss ich etwas ausholen. Unsere Ferienhütte lag ganz oben in einem Ort, der nicht mehr als 10 Bewohner hatte, direkt gegenüber einem großen, weiten Wald. Wenn man zur Haustür rein kam – die mit einem Fenster in Augenhöhe versehen war, lag links das Bad – natürlich ebenfalls mit Fenster – bevor man geradeaus in die Stube und zu den Schlafzimmern gelangte. Immer wenn man also nach Einbruch der Dunkelheit noch mal ins Bad musste, blickte man also sozusagen direkt in den tiefen, schwarzen Wald – ohne zu wissen, wer da noch so rumlungerte. Gleich nach dem Lesen der  ersten Seiten von Slaughters „Gottlos“ fand ich allein schon den Gedanken daran, ins Bad zu gehen – und Aug in Aug mit dem Dunkel des Waldes zu stehen – so gruselig, dass ich mir schon auf dem Weg dahin am liebsten in die Hosen gemacht hätte.

Als die Kinderärztin (und Ortsgerichtsmedizinerin) mit ihrem Ex-Mann (und Ortspolizist) bei einem harmlosen Waldspaziergang über ein Rohr im Boden stolpern, ahnen sie schon nichts Gutes. Und es soll noch viel schlimmer werden. Denn was sie nach einigem Graben zu Tage fördern, ist nicht einfach eine Leiche – nein, es ist ein Sarg, in dem ein junges Mädchen lebendig begraben worden sein muss, bevor es dort zu Tode gekommen ist.

Die Ermittlungen ergeben, dass es sich bei dem jungen Mädchen um eine der Töchter aus der Familie Ward handelt. Diese ist in der Nachbargemeinde wohl bekannt, denn die Familie unterhält eine „christliche Sojafarm“. Der Sojaanbau wird als Resozialisierungsprojekt der sektenähnlichen Gemeinschaft betrieben, in der Kleinkriminelle und suchtkranke Personen durch harte Arbeit und Gottes gnädige Hand wieder auf den rechten Weg geleitet werden sollen.

Nicht nur das erzkonservative Verhalten stößt Jeffrey auf: nur die Männer dürfen mit der Polizei reden, Frauen gehören an den Herd. Auch der fanatisch-aggressive Priester erregt seinen Verdacht.

Dass das tote Mädchen schwanger war, macht die ganze Ermittlung nicht leichter! Handelt es sich hierbei um ein Motiv?

„Gottlos“ hält einen definitiv in Atem. Man weiß, aus welcher Richtung die Gefahr kommt und kann sie trotzdem nicht hundertprozentig lokalisieren. Genauso wie die Situation in unserer Hütte: wenn etwas passiert wäre, hätte ich genau gewusst, aus welcher Richtung es kam. Aber schützen konnte ich mich trotzdem nicht wirklich – ich musste dennoch pieseln…..

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