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Katrin Tempel – Stillen und Chillen; Ein City-Girl zieht aufs Land

Wie leicht stellt man sich in der Schwangerschaft das Mutterdasein vor! Das Baby wird schön auf dem Boden spielen oder in der Wippe schlafen, während ich als Mutter meine neue Aufgabe als „Hausfrau“ erfüllen kann. Wer weiß, vielleicht findet sich auch ein netter Home Office Job, der sich ja ebenfalls wunderbar nebenbei erledigen ließe. In dem Alter braucht ein Baby ja nicht sooo viel. Die schlafen, sch***** und essen ja eh nur den ganzen Tag. Beruf und Mutterschaft sind wunderbar vereinbar. Oh mein Gott, wie NAIV kann man eigentlich noch sein?

Auch Alex beruhigt sich mit solchen Gedanken, als sie plötzlich feststellt, dass sie von ihrer Oktoberfestbekanntschaft schwanger ist.

Für ihn ist alles relativ einfach; natürlich gibt SIE ihr Leben in der Großstadt auf und zieht zu ihm nach Bad Dürkheim. Ein Schock für Alex, sie, die 37-jährige Mit-Inhaberin einer Marketingagentur aus dem schicken München, Besitzerin eines schnittigen Audi TT, oft und gern gesehener Gast der hippsten After-Work Parties der Stadt, gerade sie soll nun in die Pfalz ziehen. Naja, wozu gibt es ja das schnelle Internet und ob sie nun in Bayern oder der Pfalz die Präsentationen schreibt, fällt den Kunden ja gar nicht auf. Und mit ihrem tollen Auto ist sie auch in Windeseile bei jeder Präsentation, Veranstaltung oder Kundenparty wieder in die Stadt gerauscht.

Also auf ins Home-Office nach Bad Dürkheim, wo ihre Tochter brav mit sich selbst spielt bis
sie fertig ist mit arbeiten und wieder Mamas volle Aufmerksamkeit beanspruchen kann.

Hier musste ich das erste Mal so richtig herzlich lachen. Wie sagte eine Freundin letztens so treffend: „Manchmal kann ich Dir gar nicht sagen, was ich den ganzen Tag getan habe. Aber ich habe es nicht mal geschafft, die Spülmaschine auszuräumen.“

Auch Alex erkennt schnell, das sich ihre Tagesaufgaben erstmal vorwiegend über
Rückbildung, Baby-Massage, und Feuchttücherqualität drehen. Da der Kindsvater mittlerweile als Buchautor große Erfolge feiert, ist er ihr leider auch keine große Hilfe.

Die Erlebnisse, die man mit Alex teilen darf, bringen jede Neu-Mama –v.a. die gerade Desillusionierten – wunderbar zum Lachen. Diskussionen über Länge des Stillen, Arten des Abstillens und Einstellungen anderer Über-Mütter lernen alle Mamas relativ schnell kennen.

Doch trotzdem bleibt am Ende die Frage: kann Alex ihr Leben dauerhaft so umstellen?

„Stillen und Chillen“ ist ein MUSS für alle Neu-Mamis. Mütter, mit großen Illusionen über die Mutterschaft haben alle etwas gemeinsam: die Erkenntnis, dass man zwar Pläne schmieden kann, aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Doch auch wenn man seine Pläne ändern muss ist das okay, denn die kleinen Krümel wachsen einem so schnell ans Herz, dass man sich ein Leben ohne volle Stinkerwindel nicht mehr vorstellen kann. So schnell und gerne hat man noch nie seine Erwartungen heruntergeschraubt und seine Prioritäten neu verteilt.

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