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Kerstin Gier – Die Mütter-Mafia

Die Trennung einer langjährigen Beziehung fällt keinem leicht. In so einer Situation zeigt sich oft, der wahre Charakter eines Menschen. Der eine Typus bereitet diese langfristig vor: sie fangen unnötige Streitereien an, unterstellen dem Partner Unfairness, Lieblosigkeit oder  Gefühlskälte. Der andere kommt ganz plötzlich mit seinem Trennungswunsch daher. Egal wie eine Beziehung beendet wurde, der verlassene Partner muss sein Leben gezwungenermaßen und unfreiwillig erstmal wieder neu ordnen.

In der „Mütter-Mafia“ lässt Kerstin Gier die arme Constanze jedoch eine Trennung der Extraklasse erleben – das meine ich jedoch nicht im positiven Sinn.

Constanze geht davon aus, dass ihr Leben in Ordnung ist. Sie erzieht die Kinder, führt den Haushalt und hält ihrem Mann – dem erfolgreichen Anwalt – den Rücken frei. Da sie während des Studiums schwanger wurde, hat sie noch nie in ihrem Leben gearbeitet. Ihr Platz war von Anfang an daheim.

Eines Abends jedoch teilt ihr Mann ihr beim Essen ganz nebenbei mit, das er sich von ihr scheiden lässt.

Sie soll mit den Kindern doch bitte sofort in das Haus seiner kürzlich verstorbenen Mutter ziehen, damit die moderne Stadtwohnung frei wird für ihn und seine neue Freundin. Der Kindergartenplatz für den 4 jährigen Sohn ist bestätigt, die Tochter bereits in der Schule angemeldet….

Bevor sie es auch nur irgendwie begreifen kann, ist sie geschieden und sitzt als allein erziehende Mutter mit zwei Kindern in einem Alptraum aus dunklen Mahagonimöbeln im Haus der toten Schwiegermutter fest – ohne Geld, Ausbildung oder Job, geschweige denn mit einem Plan für die Zukunft.

Jedoch: anders als in der Großstadt, wo sie bisher lebte, lernt man seine Nachbarn in so einem kleinen Vorort – wo sie nun leben muss – ziemlich schnell kennen. Manchmal ist dies ja eher ein Fluch, die Bekanntschaft mit der pfiffigen Mimi in dem Fall aber ein wahrer Segen. Zunächst mal hilft diese, das Schwiegermuttermobiliar über ebay zu verkaufen, was nicht nur die Einrichtung, sondern auch den Kontostand deutlich aufatmen lässt.

Durch Mimi lernt Constanze auch Anton kennen. Er ist wie ihr Ex-Mann ebenfalls Anwalt und wird von Mimi darum gebeten, Constanzes sehr ominöse Scheidungsvereinbarungen für sie zu überprüfen.

Ihr Plan, ihren Kindern zukünftig eine noch bessere Mutter zu sein will sie mit einer Anmeldung in dem pädagogischen Mütternetzwerk der hiesigen Siedlung in die Tat umsetzen. Schnell jedoch wird klar, dass ihre Vorstellungen von Erziehung sehr von dem des Übermütter-Netzwerkes abweichen. Deren Ziel der frühkindlichen Förderung gleicht eher einem Hochleistungslernen, das die Kinder absolvieren müssen, um die zukünftigen Topverdiener der Gesellschaft zu werden.

Gott, war ich froh, dass das Mütternetzwerk unseres Ortes dahingehend doch sehr entspannt ist. Die Kinder dürfen altersgerecht spielen, singen, malen und toben – alles in Deutsch, ohne gleichzeitige Akrobatikeinlagen. Ich hatte kurzfristig richtig Angst, dass alle Elternvereinigungen so seien, v.a. da man im privaten Umfeld dann doch hie und da schon mal mit so einem Übermutter-Typus konfrontiert wurde.

Trotzdem – oder gerade deshalb – habe ich schon lange nicht mehr so oft herzhaft gelacht bei einem Buch wie bei Kerstin Giers „Mütter-Mafia“. Die sympathische Constanze und ihre neuen Freunde aus dem Vorort hat man genau so schnell ins Herz geschlossen, wie man die Supi-Mamis am liebsten erwürgen möchte. Ist man mal in den Bann der Mütter-Mafia gezogen, kann man gar nicht mehr aufhören, zu lesen UND zu lachen. Man wird sehr erfinderisch, sein eigenes Würmchen mit einem Auge zu bespaßen, während das andere weiter die nächsten Seiten verschlingt.

 

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