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Leonie Ossowski – Das Dienerzimmer

Die seit 1945 faktisch wieder zu Polen gehörende Region Schlesien musste im Laufe der Geschichte einige Schicksalsschläge hinnehmen. Allein in der Zeit zwischen 1919 – 1945 wurde Schlesien mehrfach geteilt und wieder zusammengeführt. Ab Anfang 1945 flohen mehr als 4,5 Mio. Schlesier vor der anrückenden Roten Armee. Ab dem Frühsommer organisierten polnische Stellen, unter deren Verwaltung sich das mitteleuropäische Gebiet Schlesien östlich der Oder-Neiße-Linie seit 1945 befand, die Vertreibung der Deutschen aus diesem Gebiet. Mit Hilfe der so genannten Bierut-Dekrete wurde die Einziehung des gesamten Eigentums deutscher Personen an den polnischen Staat erlassen.

Warschau, Ende der 30er Jahre: Halina verzichtet auf eine große Karriere in der Bank in der sie angestellt ist, um ihre kranke Mutter pflegen und sich um ihren Vater und den Haushalt kümmern zu können. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester Theresa empfindet es ebenfalls als selbstverständlich, dass sich die Schwester um alles kümmert und sich auch ihrer annimmt, wenn diese mal wieder unter ihren Angstattacken leidet. Halina war ihr schon immer mehr Mutter und Freundin, als nur Schwester.

Als Halina dann jedoch heiratet, wird Theresa zunächst erfüllt von bloßer Eifersucht, befürchtet sie doch, dass der Mann im Leben der Schwester nun die ganze Aufmerksamkeit bekommt und dass sie selbst auf der Strecke bleibt. Um Halina zu beweisen, was für ein unehrlicher Playboy der Zukünftige ist, verliebt sie sich selbst in ihn. Das Schlimme ist, dass Theresas Gefühle vom Schwager nicht unbeantwortet bleiben und die zwei beginnen eine leidenschaftliche Affäre.

Doch alles soll noch schlimmer werden, denn Deutschland erklärt den Krieg und die zwei Schwestern werden als Zwangsarbeiterinnen nach Deutschland verschleppt. Sie haben Glück und kommen in einem Gut in Schlesien bei einer Familie unter, die sich ihrer annimmt. Bei  freier Kost und Logis – im ehemaligen Dienerzimmer – dürfen sie sich versteckt halten, sofern sie bei den täglichen Arbeiten auf dem Gut mithelfen.

Während Halina sofort die Initiative ergreift und zu ihrer beider Überleben anfängt auf dem Gut mitzuarbeiten, weigert sich Theresa standhaft ihren Peinigern auch noch den Haushalt zu machen.

„Das Dienerzimmer“ ist ein wundervolles und ergreifendes Buch, dass einen zurückbringt in eine wirklich schwere Zeit, in der Menschen um ihr Leben bangen mussten, nur weil sie einer anderen Kultur, Religion oder Land abstammten. Es zieht einen ebenso tief hinein in die Psyche zweier Charaktere, die obwohl sie  Schwestern sind, nicht unterschiedlicher sein könnten. „Das Dienerzimmer“ ist nichts zum lachen aber auch nicht wirklich zum weinen. Aber es löst trotzdem tiefe Empfindungen wie: Mitgefühl, Scham, Bewunderung… und vieles mehr…

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