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Lilly Lindner – SPLITTERFASERNACKT

Ob man sein Kind richtig erzogen hat, erfahren Eltern oft erst viele Jahre später, wenn die Erziehung soweit abgeschlossen ist und die Kinder in die Welt entlassen werden. Bis dahin kann man nur hoffen, aus allen potentiell falschen Entscheidungen die möglichst richtigste gewählt zu haben. Das A und O einer guten Kindererziehung ist jedoch die bedingungslose Liebe zu seinem Kind, als auch eine gehörige Portion Einfühlungsvermögen, was in den kleinen Menschen vor sich geht. Weiter kann man nur hoffen, dass man die Bindung zu seinem Kind auf diese Art so stark macht, dass es weiß, dass Mama und Papa immer für es da sind. Kinder brauchen Sicherheit und das Wissen, dass die Eltern alles dafür tun werden um Schaden von Ihnen fern zu halten, damit sie wirklich mit allem kommen dürfen und sollen. Aber reicht die uneingeschränkte Liebe der Eltern, dass Kinder wirklich mit ALLEM zu einem kommen?

Im Falle der kleinen Lilly scheiterte es bereits an diesem Grundlegenden. Mit vier Jahren hört sie zum ersten Mal von ihrer Mutter, dass diese sie hasst. Ihr Vater hüllt sich täglich in eine friedliche Teilnahmslosigkeit und Ignoranz. Wie soll die sechsjährige Lilly unter diesen Umständen die Sicherheit haben, ihrer Mutter zu sagen, dass sie vom „ach so netten Nachbarn“ regelmäßig vergewaltigt, missbraucht und gedemütigt wird?

Die einzigen, die zu ihr halten, sind ihre „Freundinnen“ Ana (von Anorexia) und Mia (Bullimia), die von da an ihr Leben beherrschen. Nur wenige Leute kennen ihr Geheimnis, welches auch nicht das letzte dieser Art bleiben soll.

Lilly versucht verzweifelt wieder zu sich selbst zu finden, ihre Seele mit ihrem Körper neu zu verbinden. Ihre zufriedenste Zeit erlebt sie, als sie einen Job in einem Edelbordell annimmt. Während andere in diesem Alter die erste, große Liebe, Schmetterlinge im Bauch, Räusche und ein aufregendes Nachtleben in Diskos genießen, heuert Lilly als Felia im „Passion“ an und bekommt nun für Sex wenigstens einen gewissen Gegenwert. Doch kann sie so zu sich selbst finden? Kann sie auf diese Weise Ana und Mia hinter sich lassen und ein normales Verhältnis zu sich und ihrem Körper aufbauen?

„Splitterfasernackt“ ist ein unglaublich ehrliches und tief berührendes Buch, das einen zu Tränen rührt und gerade in mir als Mutter den Wunsch weckt, Lilly – und Kinder mit ähnlichem Schicksal – in den Arm zu nehmen, um Ihnen zu sagen, dass sie ganz wundervolle Menschen sind und niemand auf dieser Welt das Recht hat, sie so zu behandeln. „Splitterfasernackt“ ist schockierend, aber jeder sollte es gelesen haben und überlegen, ob wir wirklich offenen Auges / empathischen Empfindens mit unseren Lieben umgehen oder ob wir mit einer angebotenen Schulter einem Menschen helfen können, zu sich selbst zu finden und sich selbst als ein wertvolles Lebewesen zu empfinden, das wir alle auf unsere Art sind.

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