Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

Sebastian Fitzek – Die Therapie

Wie oft liest man in der Zeitung, dass Kinder verschwinden. Alleine die Vorstellung, dass mein Kind eines Tages nach der Schule nicht mehr nach Hause käme, auf dem Heimweg verschwände, ist katastrophal. Was müssen beispielsweise die Eltern der 2007 in Portugal aus dem Hotelzimmer entführten Maddie heute noch durchmachen – von den Mutmaßungen über die Beteiligung der Eltern am Verschwinden des 4-jährigen Mädchens ganz zu schweigen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie qualvoll gerade die Ungewissheit ist, was mit seinem Baby passiert sein könnte und was sie nach wie vor unter welchen Umständen seit diesem Tag erleiden müsse. Mein Mutterherz blutet bei dieser Vorstellung vor Mitgefühl für all jene Beteiligten.

Dr. Viktor Lawrenz ist Psychiater. Doch als er sich umsieht, steht über ihn gebeugt kein Patient, sondern SEIN Psychiater – und er ist der Patient, auf einem Bett liegend mit den Händen fixiert.

Sein psychischer Zusammenbruch begann mit dem Verschwinden seiner Tochter Josy. Seit längerer Zeit leidet das zwölfjährige Mädchen an den verschiedensten  Krankheitssymptomen und kein Arzt scheint ihr helfen zu können. Während eines erneuten Besuches beim Arzt kommt das Kind im wahrsten Sinne des Wortes abhanden. Wurde sie unbemerkt auf dem Weg ins Behandlungszimmer entführt? Oder ist das Mädchen selbst weggelaufen? Oder wo hält sie sich nun auf? Lebt sie überhaupt noch?

Um mit seinem Schmerz fertig zu werden, fährt Viktor vier Jahre nach dem Verschwinden von Josy in sein Ferienhaus. Dort will er durch die Beantwortung der Fragen eines Interviews über den Verlust seiner Tochter für eine große deutsche Zeitschrift seinen Schmerz verarbeiten. Doch es soll anders kommen.

Er bekommt nämlich Besuch von einer Frau, die behauptet von einem Kollegen zu ihm überwiesen worden zu sein. Sie leide an Schizophrenie – seinem Spezialgebiet – und sei davon überzeugt, nur er könne ihr noch helfen. Sie sei eine erfolgreiche Kinderbuchautorin, deren Geschichten nach dem Schreiben für sie in ihren Wahnvorstellungen wahr werden würden. Die letzte ihrer Geschichten hatte über ein kleines Mädchen gehandelt, das plötzlich an unerklärlichen Symptomen leide die kein Arzt wirkungsvoll heilen könne. Das Mädchen hätte dann tatkräftig die Fertigstellung ihres Werkes gefordert, nachdem die Autorin aus lauter Angst vor seiner Verwirklichung die Geschichte nicht beendet hätte.

Die Parallelen zu seiner Josy sind erschreckend und doch gibt es Unstimmigkeiten. Inwieweit kann Viktor dieser Frau trauen? Ist sie wirklich eine Patientin, die auf Heilung hofft? Oder ist sie eine Irre mit tödlichen Absichten? Was ist Schein? Was ist Sein? Was von der Geschichte ist wahr und was Fiktion oder Halluzination?

„Die Therapie“ IST wahre Therapie! Sie behandelt akute Langeweile durch die komplette Vereinnahmung in die Handlungsstränge, reguliert niedrigen Blutdruck und steigert die Herztätigkeit äußerst effizient. Die einzige Nebenwirkung: Sauerstoffarmut, ausgelöst durch – spannungsbedingtes – Luft anhalten, kann nur durch eine bewusst ausgeführte, gleichmäßige Atmung kuriert werden.

3 Comments

  1. Paul
    Paul 11. April 2013

    Sebastian Fitzek ist verdammt gut. „Das Kind“ von ihm ist der Wahnsinn. Das war mit Abstand das beste Hörspiel, das ich gehört habe. Lohnt sich! 🙂

  2. tom
    tom 24. April 2013

    Da kann ich Paul nur zustimmen! Ich liebe Hörspiele. Man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen, auch wenn man kein Bücherwurm ist! 🙂

  3. Sven
    Sven 1. Juli 2013

    Ich liebe ebenfalls seine Hörspiele. Habe es mir letzte Woche gekauft und bin nun durch. Ich fand das Hörspiel großartig. Erinnert mich an meine Kinderzeit.

    Das nächste Hörspiel ist schon wieder bestellt. Irgendwie bin ich davon total infiziert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.