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Simon Beckett – Obsession

Autismus ist keine Krankheit im üblichen Sinne. Hinter dem Begriff versteht man eine unheilbare Entwicklungsstörung. Genauer gesagt, ist es eine Störung des Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsprozesses im Gehirn. Obwohl die „Krankheit“ ein sehr breites Spektrum an Symptomen aufweist, haben doch alle Autisten etwas gemeinsam: nämlich ein gestörtes Sozialverhalten. Sie haben Probleme Mimik, Gestik und Gesprochenes richtig zu interpretieren oder zu verstehen. „Normale“ zwischenmenschliche Beziehungen zu führen bzw. aufrecht zu erhalten, fällt Ihnen entsprechend schwer.

Der Fotograf Ben Murray verliert durch einen plötzlichen Schicksalsschlag seine Frau.

Obwohl es schwer ist, versucht er deren autistischem Sohn Jacob – seinem Stiefsohn – ein guter Vater zu sein. Doch dann findet er eine Schatulle mit Zeitungsartikeln, die nahelegen, dass auch sie nicht seine richtige Mutter war.

Der Privatdetektiv, den er anheuert, um Jacobs leibliche Eltern zu finden, erkennt schnell die Situation. Bevor Ben noch eingreifen kann, versucht der Schnüffler das große Geschäft zu machen und verrät Jacobs leiblichem Vater die Wahrheit über den Aufenthaltsort seines Sohnes.

Was er damit jedoch auslöst, hat er sich wohl selbst nicht vorstellen können. Die Geschehnisse, die nun in Gang kommen, lassen nichts Gutes erahnen.

Zugegeben, „Obsession“ ist anders als die anderen Beckett-Bücher. Zuweilen überlegt man, ob das Buch langatmig ist, kommt dann aber zu dem Schluss, dass man sich einfach nur auf die Handlung einlassen muss, um die wahre Dramatik wirken zu lassen.

Wenn man soweit ist, baut sich die Spannung von Seite zu Seite weiter auf und man ist fasziniert davon, wie spannend ein Krimi sein kann, ohne dass es eine Leiche nach der anderen hagelt. Die Toten hier sind eher Randerscheinungen als Hauptakteure.

Man kann sich aber dafür umso besser in die Gefühlswelt der Beteiligten einlassen und überlegen, wie man sich selbst in so einer verzweifelten Lage fühlen würde.

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