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Sven Kuntze – Altern wie ein Gentlemen (Gastautor: Johann Schupp)

Freuen Sie sich auch schon auf das Leben nach der Arbeit? Keine Termine, keine Verabredungen oder Pflicht-Einladungen, keinen Chef, morgens ausschlafen und den Tag einfach dahingehen lassen? Dann geht es Ihnen wie es mir noch vor Kurzem erging! Doch wie seltsam, wenn sich nach Erreichen dieser letzten und so bedeutsam vorschwebenden Zielstellung der ersehnte und erwartete Gefühlsaufschwung nicht einstellen will…

Der bekannte ehemalige Moderator des ARD-Morgenmagazins, gewissermaßen in den neunziger Jahren mein Gegenüber am Frühstückstisch und Informant allen Zeitgeschehens vor der Arbeit während meiner langjährigen Wochenendehe, scheint nach Beendigung des Arbeitsprozesses und Eintritt in das Rentenalter von ähnlichen Enttäuschungen befallen gewesen zu sein. Sein Buch darüber ist geschrieben wie seine Moderationen, die ich so geliebt habe: in der vornehmen und so einfühlsamen Sprache eines klugen, die Dinge gelassen hinnehmenden Mannes, nahezu philosophisch, ohne nur im Geringsten den Anspruch darauf zu erheben, weil nachvollziehbar und sehr verständlich.

Themen wie Familie, Ehe, Freunde, Nachbarn, Bekannte und die diversen Institutionen, die unser Gesellschaftssystem speziell für diese Alterskohorte bereitstellt, sind auf eindrucksvolle und humorvolle Weise beschrieben. Ich weiß nur noch nicht, ob man als Leser erst selbst an jener Schwelle des Lebens angelangt sein muss, um es nachfühlen zu können.

Man ist schnell geneigt, eine Bilanzierung seiner eigenen Biographie vorzunehmen und die Lebenslinien nach rückwärts aufzurollen, um zu begreifen, weshalb sich ein Leben – geprägt von andauernden Entscheidungen, diesen oder jenen Weg einzuschlagen – so und nicht anders ergeben hat. Selbst der Gefahr bitterer Erkenntnis verpasster Gelegenheiten in Sachen Berufswahl, Karriere, Ehe, Freunde etc., die lt. Kuntze mit der bedeutsamen Rolle des Zufalls abgetan wird, die man dann „Schicksal“ nennt, geht er geht er mit Witz und Charme entgegen und beschreibt, da kein Teil mehr der großen Welt und ihrer Betriebsamkeit eine kleine Welt in ihrer unendlichen Vielfalt.

Kuntze lässt den Leser nicht allein bei evtl. zweifelnden Gedanken. Er scheint derartig viel darüber gelesen, gefragt und vor allem beobachtet zu haben, dass mit einem sensiblen und jeden Menschen betreffenden Thema eine ausgesprochen vergnügliche Lektüre heraus gekommen ist. Man fühlt sich von ihm verstanden und begleitet bei der irritierend unerwarteten Suche nach neuen Lebensinhalten. Neugierig macht auch die Beschreibung zweier Projekte alternativer Lebensformen mit den ansprechenden Namensetiketten „Rosenpark“ und „Steps to heaven“ –  letzteres erfährt am Schluss des Buches seine Pointe.

Apropos Schluss: zwei heikle Themen spart sich Kuntze mit „Altern wie ein Gentlemen“ bis zu den letzten Seiten auf: Sexualität im Alter und das von ihm als gegeben erklärte Recht jedes Menschen, den Zeitpunkt des Todes selbst bestimmen zu dürfen. Die Gefühle, die mich bis zur letzten Seite beherrschten, waren eine Mischung aus Melancholie und Nachdenklichkeit, aber mit einem Lächeln auf den Lippen!

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1 Kommentar

  1. Chris
    Chris 28. November 2012

    Auch ich habe das Buch bereits gelesen und ich muss sagen, dass für mich ein Wort im Vordergrund steht -> Nachdenklichkeit! Es gibt einfach so viele Stellen um Buch, wo man kurz vom Inhalt abschweift und sich überlegt, wie es bei sich selbst bezüglich dieser Thematik aussieht. Durch diesen Aspekt war ich buchstäblich gefesselt vom Buch.

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