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Tess Gerritsen – Gefährliche Begierde

Die Verse  8:1-11 des Johannesevangeliums zitieren eine Begebenheit: Pharisäer und Schriftgelehrte führen Jesus eine Frau vor, die gerade beim Ehebruch erwischt wurde. Vordergründig wollen sie seine Meinung hören, lehrte Moses sie doch, dass die Frau in einem solchen Fall gesteinigt werden müsse. Eigentlich jedoch suchen sie einen Grund ihn anzuklagen. Doch Jesus erwidert nur: „Wer von Euch ohne Sünde ist, werfe als erster einen Stein auf sie“. Alle Ankläger verlassen Jesus daraufhin unverrichteter Dinge und lassen die Frau ohne Verurteilung bei ihm.

Noch heute im 21. Jahrhundert schocken uns Horrormeldungen derart anachronistischer Moralvorstellungen. Erst Anfang des Jahres 2011 wurden zwei BILD-Reporter im Iran verhaftet, weil sie die Familie Sakine Aschtiani interviewen wollten. Diese war zum Tod durch Steinigung wegen angeblichem Ehebruch verhaftet worden und wartet im Gefängnis entweder auf die Vollsteckung oder im besten Fall auf ihre Begnadigung.

Miranda Wood glaubt, ihrem verheirateten Liebhaber endlich begreiflich gemacht zu haben, dass es aus sei – und zwar ein für alle Mal. Doch nach einem ausgedehnten Spaziergang findet sie ihn in ihrem Schlafzimmer – allerdings ermordet! Auch eine endgültige Trennung!

Alle Indizien sprechen dafür, dass sie die Mörderin aus Leidenschaft ist. Ihre Situation ist keine leichte: als zugezogene und durch den Tatort des Verbrechens als Ehebrecherin entlarvte genießt sie nicht gerade das Vertrauen der eigenwilligen Inselbewohner – insbesondere unter dem Aspekt, dass ihr Geliebter der Mann war, dessen Familie die Insel wirtschaftlich dominiert.

Plötzlich muss sich Miranda selbst gegen tätliche Angriffe schützen. Ganz entgegen dem Sprichwort, „ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert“, versucht sie alles, um wenigstens bezüglich des Mordes ihre Unschuld nachzuweisen, indem sie dem Mörder selbst auf die Schliche zu kommen versucht.

Das schwarze Schaf der Familie ihres Ex-Lovers kommt ihr dabei unvorhergesehen zu Hilfe. Dieser fühlt sich hin und her gerissen zwischen den Indizien, die darauf hindeuten, dass Miranda die Mörderin seines Bruders ist und seinem Instinkt, der ihm sagt, dass sie tatsächlich unschuldig ist.

Nach Gerritsens eher flacheren Krimis „Sag niemals stirb“ und „Der Anruf kam nach Mitternacht“ ist „Gefährliche Begierde“ endlich wieder ein Thriller mit Ecken und Kanten, sowie wunderbarer Detektivarbeit. Es ist ein Krimi, in dem weder das Grübeln noch die Romantik zu kurz kommen. Er kommt noch nicht ganz an die Rizzoli-Reihe ran, aber macht definitiv Spaß zu lesen.

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