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Thomas Wollinger – Die Archäologin


Wie immer möchte ich ehrlich zu Euch sein: das Buch wählte ich nicht nach dem spannenden Thema oder der fesselnden Beschreibung im Klappentext aus. Obwohl ich sagen muss, dass der erste Satz durchaus interessant klingt: „Die junge Archäologin Erika wird von quälenden Ahnungen gepeinigt…“ Gewählt hab ich das Buch jedoch, weil es auf die Schnelle eines der dünnsten – und damit leichtesten – war, das ich im Schrank greifen konnte. Mit der S-Bahn zu einem 5 km-Lauf fahrend, erschien es mir  wenig sinnvoll, mich mit zu viel Gepäck zu belasten; die Kind-freie Zeit während der Fahrt, wollte ich mir aber durchaus als entspannende Lesezeit gönnen….

Die an ihrer Doktorarbeit schreibende Archäologin Erika kehrt in ihr Heimatdorf Kirchberg bei Kitzbühl zurück. Sie vermutet dort Funde aus längst vergangenen Zeiten. Von ihrem Professor bekommt sie eine Woche Zeit, Ergebnisse zu liefern oder wieder abzureisen. Ein kleines Team von jungen Archäologiestudenten soll ihr zur Seite stehen. Tatsächlich findet die Gruppe bald Skelette, doch ihr nun doch anreisender Professor hat in dem Ort andere Pläne. Auch er hat persönliche Erlebnisse in Kirchberg gemacht und auch er vermutet dort Aufsehen erregende Funde zu machen – aber an anderer Stelle… mit anderen Motiven.

Die persönlichen Rückblenden führen den Leser durch den Professor in das Kirchberg der Nazi-Zeit, als auch mit Erika in die Vorzeit viele tausend Jahre zurück. Während der Professor weiß, dass er bereits dort gewesen ist, hat Erika immer nur so ein Gefühl, ihr eigenes Leben auszugraben und setzt alles dran ihre Mission zu beenden. Dafür nimmt sie sämtliche Hindernisse in Kauf und greift auch zu ungewöhnlichen Mitteln. Der Drang, das gesamte Geheimnis zu lüften, ist für sie so übermächtig, dass sie dafür sogar bereit ist, die Freundschaft zu einer alten Schulfreundin zu opfern. Doch wo soll das Ganze enden? Was hat es mit dem Ort auf sich, dass sich dort die Vergangenheit von vor mehreren tausenden Jahren, die Nazi-Zeit und die Gegenwart dort treffen?

Ich habe lange überlegt, wie ich „Die Archäologin“ bewerten soll. Daher habe ich mir mit dem Schreiben der Rezension einige Zeit gelassen. Leider immer noch erfolglos. Am Anfang war ich einfach genervt von der verbiesterten Erika, die ihre Studenten nicht als Partner, sondern nur als Idioten zu betrachten scheint. Auch von ihren so genannten Vorahnungen bekommt man nur nebenbei mit. Dann plötzlich kommen Fragmente eines Urzeitdramas zum Tragen und kaum taucht man da hinein, mischt der Professor und dessen Vergangenheit die Handlung auf. Langsam scheint sich das Thema des Werkes in Richtung Familie, Zusammenhalt und Reinkarnation zu verdichten. Das Buch hat mich nicht atemlos werden lassen, jedoch hat es mich auch nie wirklich losgelassen. Die Fessel ist jedoch subtil: eher Seidenfaden als handfeste Paketschnur, denn ein offensichtlich schweres Lassoseil. Das Gefühl, das es hinterlässt, empfand ich eher als schüchtern entflammt, verwirrt hingerissen – aber nie fanatisch begeistert. Wenn man möchte, kann man das Buch durchaus mal lesen, man lebt aber auch gut ohne dessen Lektüre.

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