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Wolfgang Hohlbein – Der Inquisitor

Der Begriff „Inquisitor“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Der Aufspürer“, der „Verfolger“. Die Aufgabe des Inquisitors im 13. Jahrhundert bis in die frühe Neuzeit war es, Ketzer zu identifizieren, sie zur Buße zu bewegen und wieder in den Schoß der Kirche zu holen oder sie im schlimmsten Falle zu bestrafen. Sie waren Vorsitzende der entsprechenden kirchlichen Verfahren und durften zur sog. Wahrheitsfindung vorladen,  verhören und foltern ebenso wie die Absolution erteilen. Hexenverfolgungen jedoch galten eher als zweitrangig. Ein Erlass von Papst Alexander IV aus dem Jahre 1260 befiehlt, Hexen nur auf Anzeige festzunehmen und die entsprechenden Prozesse bei Zeitmangel sogar hinten anzustellen. Die staatliche spanische Inquisition verbat im 15. Jahrhundert sogar ausdrücklich die Hexenverfolgung.

Deutschland im tiefsten Mittelalter: der Inquisitor Tobias wird in einen Ort im Norden namens Buchenfeld gerufen. Seltsame Dinge geschehen dort: Kinder und Tiere kommen mit Missbildungen auf die Welt, die Bauern verlieren ihre gesamte Ernte, in der Luft liegt ein Ekel erregender Geruch und der See ist voll von grünem Moder. Verantwortlich dafür gemacht wird Katrin, die Witwe des Apothekers, den sie sogar umgebracht haben soll.

Tobias soll die Hexe auf dem Scheiterhaufen richten und so wieder für Ruhe in Buchenfeld sorgen. Doch Tobias ist kein Inquisitor, dem es ausreicht einfach eine Hexe und seltsame Begebenheiten präsentiert zu bekommen. Er will den Dingen auf den Grund gehen und glaubt keine Sekunde an Katrins Schuld. Seine Überzeugung wird dadurch noch verstärkt, dass er Katrin von früher kennt. Sie war sogar ein entscheidender Grund dafür, dass er überhaupt zur Kirche gekommen und Mönch geworden ist.

Doch was genau steckt hinter den Vorwürfen, die gegen Katrin erhoben werden? Und wenn es nichts mit Hexerei zu tun hat, was ist dann der wahre Grund für die schlimmen Ereignisse in Buchenfeld?

„Der Inquisitor“ hat mich leider nicht so richtig vom Hocker gehauen. David Nathan liest das Buch sehr gut, spielt super mit seiner Stimme und bringt Atmosphärisches wie Angst, Überheblichkeit, Resignation und Verwunderung wunderbar rüber. Das Thema allenfalls, aber die Handlung hat mich nicht wirklich überzeugt. Ich kann gar nicht sagen warum, weil es sich eigentlich ganz spannend angehört hat, aber Hohlbeins Umsetzung hätte auch als Buch keinen durchschlagenden Erfolg bei mir gehabt. Dieser historische Roman erhält das Prädikat „verzichtbar“!

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